Die Hüle als Wasserspeicher
Viehtränke und Löschteich
Die Hüle erzählt von der Wasserarmut Die Hüle beim Weberhaus erzählt vom Wassermangel auf der Schwäbischen Alb. Sie ist nach historischen Vorlagen nachgebaut. Hülen waren künstlich angelegte Weiher, meist auf der wasserundurchlässigen Lehmschicht alter Vulkanschlote, um Regenwasser zu speichern. Rund 350 Vulkanschlote gab es im Kirchheimer-Uracher Vulkangebiet. Die Schwäbische Alb war durch Wassermangel gekennzeichnet, weil das Wasser im karstigen Gestein schnell versickerte. Die Hüle war Gemeinschaftseigentum und wurde auch immer in gemeinsamen Aktionen vom Schlamm befreit, der dann als organischer Dünger auf die Felder gebracht wurde.
Die Hüle wurde als Viehtränke, Brauchwasserreservoir oder auch als Löschteich bei Bränden genutzt. Getrunken wurde meist Most oder schwacher Wein. Zusätzlich wurde das Regenwasser von den Dächern aufgefangen. Bei Strohdächern wie beim Laichinger Weberhaus war das Wasser bald gelb. Der Volkskundler Oskar Fraas beschrieb es so: „Strohgelb bis kaffeebraun hat sich das Wasser gefärbt, das von den Strohdächern niederrinnt. Nur wer von Jugend auf an den Anblick dieses Wassers sich gewöhnt hat, vermag ohne Abscheu das Glas an seine Lippen zu setzten.“
Das verschmutzte Wasser war auch verantwortlich für viele Krankheiten. Manche verliefen tödlich. Bei langen Trockenperioden musste das Wasser mühevoll und teuer mit Ochsenkarren oder Pferdefuhrwerken aus den tieferen Orten und Flusstälern auf die Albfläche hochtransportiert werden. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung zu, der Viehbestand wuchs und damit auch der Wasserbedarf. Zugleich stieg aber auch das technische Wissen. Der württembergische Baurat Karl Ehrmann brachte die Wende. 1871 ließ er das erste Pumpwerk bauen, das von der Schmiech Wasser in einen Hochwasserbehälter in Justingen pumpte. Weitere Pumpwerke und Hochwasserbehälter folgten - der Beginn der Albwasserversorgung.
Dabei gab es ein frühes Vorbild. Es kam allerdings nicht der Allgemeinheit zugute, sondern den Pferden des Adels. Bereits 1715 ließ der damalige Herrscher bei den Gütersteiner Wasserfällen ein Pumpwerk bauen, das das Uracher Quellwasser durch eine 2 km lange Bleileitung zum herzoglichen Gestütshof nach St. Johann hochpumpte. Mit der Albwasserversorgung ging der Krankenstand zurück, der Viehbestand wuchs und die Armut wurde weniger. 1954 schließlich wurde die Schwäbische Alb an die Bodensee-Wasserversorgung angeschlossen.
Eine Original-Hüle am ursprünglichen Standort kann man noch in Zainingen mitten im Dorf besichtigen. Aber die Hülen hatten an Bedeutung verloren, die meisten verschwanden in den 1950er/60er Jahren. Sie wurden zugeschüttet, verlandeten oder fielen wie die meisten Feldhülen der Flurbereinigung zum Opfer. Rund 200 Hülen gibt es heute noch auf der Schwäbischen Alb. Aber sie sind nur schwerlich als solche erkennbar, denn die meisten sind Biotope geworden.
Text: Felicitas Wehnert; Foto: Manfred Schäffler
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