Vom Wandel der Lebensmittelversorgung

scheunencafe AUTOR Felicitas Wehnert DSC09762AUTOR Felicitas WehnertIn den letzten 100 Jahren hat sich unser Alltag so rasant verändert, wie noch nie zuvor, stellte die Esslinger Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger eingangs fest. Das zeigte sich auch beim Thema des 2. Scheunencafés im Juli: „Von der Selbstversorgung zum Einkauf im Supermarkt“.

Ihre Großmutter erzählte oft, wie zu Zeiten des 1. Weltkrieges in vielen Gärten - so auch der Esslinger Vororte - noch „eine Sau“ gemästet wurde - gefüttert mit den Küchenabfällen bis zur Schlachtzeit im Winter. In Köhle-Hezingers Kindheit in den 1950er Jahren wurden in vielen Haushalten noch Hühner und Hasen gehalten – meist am Haus neben dem Obstgarten. Im Herbst sammelten die Kinder Bucheckern im Wald und brachten sie zur Ölmühle. Die Kulturwissenschaftlerin geht davon aus, dass es „zu jener Zeit immer eine Mischung von Selbsthergestelltem und Eingekauftem gab“. Samstags wurde sie mit dem Einkaufzettel losgeschickt. „Sieben Läden gab es im Ort“, erzählt Köhle-Hezinger, „aber man kaufte immer im selben, in seinem Laden“. Kundentreue und Markenbeständigkeit wurden großgeschrieben. Das galt auch für Bäcker und Metzger. „Hier unterschied man schon den eigenen -vertrauten – und den fremden als nicht angenehm, empfundenen Geruch im Geschäft“, ergänzt sie. Mittlerweile mussten die kleinen Läden großen Supermärkten weichen.

Seit den 1960er Jahren änderte sich die Beschaffung von Lebensmitteln. Nutztiere und Gemüsegärten verschwanden aus den Städten und Vororten. Selbstbedienungsläden kamen auf, nach amerikanischem Vorbild. Sie wurden anfangs misstrauisch betrachtet. „Da wird doch nur geklaut“, hieß es. Die Supermärkte verdrängten die kleinen Tante-Emma-Läden, die Landwirtschaft stellte zunehmend auf genormte, transport- und lagerfähige Obst- und Gemüsesorten um, eine eigene Lebensmittelindustrie entstand - mit Preiswettbewerb und Fertiggerichten.

Die „Päcklessupp´“ ist für Köhle-Hezinger ein Symbol des Wandels. Fertigprodukte wurden zwar ein bisschen abschätzig mit Hausfrauen-Faulheit gleichgesetzt, galten aber auch als modern. „Die Fülle des Angebots in den Supermärkten verwirrt, „ver-rückt“ die einstigen Werte wie Treue, Beständigkeit und Verlässlichkeit“ zieht die Kulturwissenschaftlerin ihr Fazit. Und wie geht es weiter? Die anschließende Diskussion zeigte beide Seiten auf. Einerseits wird vor allem zu Billigprodukten gegriffen, egal wie sie produziert werden und woraus sie bestehen, andererseits gibt es mittlerweile Alternativprojekte, die alte Praktiken neu nutzen und beleben: Unverpackt-Läden, Hofverkäufe, Gemüsekisten, ehrenamtlich betriebene Cap-Läden, Automaten mit selbstproduzierten landwirtschaftlichen Produkten. Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung weitergeht.

Im nächsten Scheunencafé geht es in der Gesprächsrunde mit Dr. Petra Naumann, stellvertretende Leiterin des Freilichtmuseums Beuren, um das Thema „Von der Schnauze bis zum Schwanz. Bei uns wurde früher noch geschlachtet“. Termin: Sonntag, 16. Oktober um 14.00 Uhr

 

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