Frühes Recycling beim Bau

Museumsstücke des Monats: Geschirrhütte und eingebauter Grabstein

baurecycling 3 Autor Felicitas Wehnert DSC00323AUTOR Felicitas Wehnert Der Trend ist modern, die Grundidee schon ziemlich alt: Das Wiederverwenden von Nützlichem. Vom sparsamen Umgang mit knappen Ressourcen kann das Freilichtmuseum Beuren etliche Geschichten erzählen, die Impulse für die heutige Diskussion um Nachhaltigkeit geben. Thema Baustoffe etwa. Zwei Gebäude in den Herbstwiesen zeigen bei näherer Betrachtung Spuren von früherem Recycling.

Die Geschirrhütte aus Oppenweiler steht ganz unspektakulär unterhalb des Ziegengeheges. Öffnet man aber die Holztüre offenbart sie ein ungewöhnliches Innenleben. Die Tragekonstruktion aus verzierten Eichenhölzern entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Teil eines alten Webstuhls. Offenkundig wurde er beim Bau der Hütte um 1870 nicht mehr gebraucht. Bevor die Erbauer mühsam neue Balken zurichteten, griffen sie in einer Kombination von Erfindergeist und Sparsamkeit auf bereits Vorhandenes zurück.

 

 

 

baurecycling 2 Autor Felicitas Wehnert DSC00317AUTOR Felicitas WehnertEin Stück weiter oben findet sich ein weiteres Beispiel für den Einbau von bereits Gebrauchtem. Ein Grabstein - unscheinbar in die Außenwand des Bauernhauses aus Aichelau eingepasst. Im Museum schützt ihn heute eine Glasscheibe. Beim Abbau des Gebäudes in Aichelau wurde er fast übersehen, denn die Inschrift zeigte zum Rauminneren und war verputzt. Die Steinplatte erwies sich als Grabstein von 1889 und gehörte einst zum Grab der Urgroßmutter der letzten Hausbewohnerin. Er wurde nicht als Erinnerungsstück eingebaut, sondern pragmatisch als Steinplatte im Hausbau wiederverwendet.

Die Beispiele sind keine Einzelfälle. Die Praktik ist uralt. Bei genauem Hinsehen kann man an manchen alten Häusern noch Teile aufgelassener Burgen oder anderer Gebäude finden: Fensterstürze etwa, Türbögen, Quadersteine. Die mühsam behauenen Steine waren viel zu kostbar, um sie einfach wegzuwerfen.

Ein Gedanke, der heute wieder aufgegriffen wird. Die erneute Wiederverwendung alter Materialien ist in Zeiten von Rohstoffknappheit und Nachhaltigkeit wieder aktuell. Bislang werden recycelte Baustoffe vor allem im Straßenbau eingesetzt, aber zunehmend gewinnt die Wiederverwendung sauber getrennter Baumaterialien für Neubauten an Bedeutung. Und auch der Einbau alter Teile ist wieder gefragt: eine Fassadendämmung aus recycelten Jutesäcken, Holztüren und Fenstern aus ehemaligen Bauernhäusern, jahrhundertealte Eichenbalken, behauene Steine und alte Ziegel zeugen nicht nur von kunstvollem Handwerk, sie verleihen dem Gebäude auch eine Seele und historische Tiefe.

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