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IMG 8021Foto: Jürgen Henzler – Inge Hafner liest bei Regen und …

„Corona muss doch auch was Gutes bewirken“

Seit eineinhalb Jahren beeinflusst Corona unseren Alltag. Einschränkungen, sind an der Tagesordnung und wir haben uns mehr oder weniger daran gewöhnt, eher weniger möchte man spontan anfügen. Jede Krise birgt jedoch auch Chancen. So war auch der Ansatz von Inge Hafner als sie 45 Bekannte anschrieb, um nach den guten Seiten der Corona-Krise zu suchen und sie aufforderte ihr Glücksgeschichten zu senden. Das Thema hat viele angesprochen und die bald 30 Antworten, die sie erhalten hat, wollte Sie mit anderen Menschen teilen. Teilen, um Ihnen Mut zu machen, den Blick auf das Positive zu richten. An zwei Terminen im Herbst hat sie aus diesem Grund auch ins Freilichtmuseum nach Beuren eingeladen und die Resonanz zeigte sich in der stattlichen Besucherzahl von jeweils über 20 Fördervereinsmitgliedern.

Im Gartensaal war der Treffpunkt, an dem Inge Hafner ins Thema einführte und ihre Motivation sich mit den guten Seiten der Corona Krise auseinanderzusetzen erläuterte. Persönlich und früher beruflich hatte sie sich seit längerem mit der Glücksforschung beschäftigt, um herauszufinden, wie positive Elemente im Leben Einzug halten können.

Insofern war der Ansatz Glücksgeschichten zu sammeln nur folgerichtig. Inge Hafner hat die Geschichten vier Überthemen zugeordnet und sich vier Stationen im Freilichtmuseum zur Weitergabe ausgesucht. Unterstützt wurde sie von Doris und Heinz Bopp sowie Elke Geiser. Als Mitglieder des Teams zur „Belebung des Gartensaals der Wilhelmshöhe“ hatten sie gemeinsam mit Inge Hafner schon einige Veranstaltungen seit der Fertigstellung des Gartensaals entworfen und durchgeführt. Im Auftrag des Fördervereins empfingen sie die Gäste mit frisch aus dem Ofen duftendem Salzgebäck und einem Glas Sekt – auf Wunsch auch mit Holundersaft verfeinert.

Erstes Thema war der „Übergang“ in die vom Lockdown dominierte Zeit der Veränderungen. Lebensumstände veränderten sich: Der Lebensradius wurde deutlich verkleinert, die Menschen waren zuhause im Homeoffice, mitunter fast isoliert, Geschäfte teilweise geschlossen, es entstanden Zweck- aber auch Interessensgemeinschaften, die gemeinsam Auswege aus der Isolation, beispielsweise im, abendlichen Singen im Freien mit den Nachbarn suchten. Positiv war für viele Menschen, die Inge Hafner geschrieben haben, auch die Erkundung der unmittelbaren Umgebung, die man bislang noch gar in ihrer Schönheit wahrgenommen hatte. Während des Lockdowns hatten viele das Wandern (wieder-) entdeckt und festgestellt, dass man gar nicht so weit reisen muss, um Sehenswertes zu finden.

Somit ergaben sich eindeutig auch „Gewinne“ aus der neuerlichen Situation – das Thema der zweiten Station. Die Familien trafen sich zuhause, Studierende kehrten heim, weil alles plötzlich online stattfand und ein in Vergessenheit geratenes Familienleben möglich machte. Kitas und Schulen waren geschlossen und Großeltern waren gefragt, um Enkelkinder zu betreuen und mit ihnen gemeinsame Unternehmungen parallel zum Homeoffice der gestressten Eltern zu organisieren. Bislang unbekannte Nachbarn kamen miteinander ins Gespräch und entdeckten gemeinsame Themen. Susanne Krämer-Rabaa berichtet davon in ihrer Geschichte:

„Seit einigen Jahren schon leben wir Haus an Haus, Garten an Garten, Carport an Garage. Hallo, guten Morgen, schönes Wetter heute, mehr wussten wir uns meist nicht zu sagen.
Dann kam Corona. Eines Samstagmorgens steht die Nachbarin Susanne vor unserer Haustüre und hält uns einen halben Obstkuchen unter die Nase. „Unsere Tochter ist in Quarantäne und sie und ihre Familie dürfen heute nicht zu meinem Geburtstag kommen, da es in ihrer Kita positive Coronafälle gibt“.
Mit diesem Kuchen stieß Susanne eine Türe auf. Seither, wenn es die Coronaregeln zulassen, treffen wir uns alle paar Wochen zum Kaffeeklatsch und überraschen uns gegenseitig mit unseren neuesten Kuchenkreationen. So ist aus einer unverbindlichen Nachbarschaft eine nette Freundschaft erwachsen – auf Abstand.“

IMG 20210926 WA0003Foto: Brigitte Geiser – bei SonnenscheinAus mancher Not wurde eine Tugend und das dritte Überthema lautete deshalb Dankbarkeit. Viele Zuschriften brachten diese zum Ausdruck. Man war dankbar für die entstandene Nähe, für die Unterstützung, die man erfahren durfte und die Natur, die man quasi neu entdecken durfte.

Zum Abschluss des Nachmittags kehrte die Gruppe wieder in den Gartensaal zurück. Wiederum sorgte das Wilhelmshöhen-Team für den kulinarischen Rahmen: bei Kaffee, Hefekranz und Apfelbrot wurde an den gehörten Geschichten angeknüpft und eigene Erfahrungen ausgetauscht. Mit einigen Strophen des schönen Liedes „Der Mond ist aufgegangen“ bereicherte Eva Lauk das gesellige Beisammensein. Im gemeinsamen Singen war die Faszination der während der Coronazeit entstandenen Sing-Gemeinschaften spürbar.

In ihrem „Rück- und Ausblick“ getauften Abschluss ließ Inge Hafner den Schriftsteller und Krimi Autor Manfred Bomm zu Wort kommen: war Corona nicht ein Fingerzeig des Himmels? Der „Stillstand der Welt“ nicht ein Segen für die Natur und ein Beweis dafür, dass manches auch ganz anders laufen kann?

Mit ihrer Zusammenstellung hat Inge Hafner vielen Besuchern geholfen den Fokus auf das immer – auch in der Krise - gegenwärtige Positive zu lenken. Und mit einem hoffnungsvollen Ausblick, dass viele Fördervereinsmitglieder sich im nächsten Jahr wieder im Museum einbringen können und werden, beendete Inge Hafner den Nachmittag.