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Herbert Haag und sein schwarzes Handwerk

Haag Herbert IMG 9224Foto: Manfred SchäfflerDer Kohlenmeiler verlangt ständige Aufmerksamkeit. Deshalb übernachtete Herbert Haag während der Köhlertage im August mit einem Mitstreiter auch im Unterstand direkt neben dem glimmenden Meiler, um stündlich nach ihm sehen zu können. „Wenn der Dampf blau wird, sieht der Köhler rot“, erklärt er, denn dann steigt die Temperatur im Inneren. Rund zehn Tage dauert es, bis die fertige Holzkohle in Säcke verpackt werden kann. Und bis dahin braucht es viel Geduld und Wissen.

Schon der Aufbau nimmt ein fünfköpfiges Team fast einen ganzen Tag in Anspruch. Die 7,5 Raummeter Eschenholz aus dem Tiefenbachtal ergeben rund 500 Kilo Holzkohle. Das aufgeschichtete Holz wird zunächst mit Gras und dann mit Lösche aus Asche, Erde und Sand abgedeckt und entzündet. Unter kontrollierter Luftzufuhr durch sogenannte Pfeifen, den kleinen Löchern, arbeitet sich ein rund 30 Zentimeter breiter Glutherd von oben nach unten durch. Zellstoff, also Holzfasern, brennt bei 400 bis 500 Hitzegraden, erklärt Herbert Haag, Kohlenstoff wie Holzkohle erst bei 650 Grad. Die Kunst des Köhlers besteht deshalb darin, die Temperatur im Meiler unter 650 Grad zu halten. Ist der Rauch weiß bis grau, ist alles in Ordnung, wird er bläulich steigt die Temperatur und der Köhler muss die Sauerstoffzufuhr mittels der Pfeifen regeln. Und dann kommt der spannende Moment. Nach mehreren Tagen, je nach der Feuchtigkeit des Holzes, wird der Meiler abgelöscht, geöffnet und wenn alles geklappt hat, kommt reine Holzkohle zutage.

Köhlermeiler DSC07770Bereits im vorigen Sommer hatte Herbert Haag im Freilichtmuseum einen Meiler aufgebaut. Wie das geht, hat er von Georg Geiselhart gelernt, einem der letzten Berufsköhler in Süddeutschland, der selbst im Freilichtmuseum Beuren einige Sommer seine Meiler aufbaute. Herbert Haag, der von allen nur „Köhler Hebbe“ genannt wird, ist seit seiner Kindheit von dem schwarzen Handwerk fasziniert. Richtig ausleben kann der gelernte Elektriker seine Leidenschaft allerdings erst im Ruhestand. Und er hat auch schon andere angesteckt, die sich für den anschließenden Workshop zum Bau eines Kohlenmeilers gemeldet haben. „Ohne Köhler wären wir noch in der Steinzeit“, ist sich Herbert Haag sicher. Schon die Römer und Kelten hatten Holzkohle zur Eisenverhüttung oder zur Glasherstellung verwandt. Und auch wenn sie seit dem 18. Jahrhundert zunehmend durch die Steinkohle abgelöst wurde, so wird Holzkohle auch heute noch in der Industrie etwa zum Härten von Bremsklötzen für Autos oder als Arznei in Form von Kohletabletten bei Durchfall eingesetzt. Für den heimischen Grill gibt es die im Freilichtmuseum hergestellte Holzkohle im Eingangsgebäude zu kaufen.