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Leben und Feiern in den 1950er Jahren

Erinnerungen von Christel Köhle-Hezinger und Inge Hafner

FeiernFoto: Felicitas WehnertPassend zum Zeitschnitt des einstigen Geislinger Gartensaals und jetzigen Erlebnis.Genuss.Zentrums hat das Team Wilhelmshöhe eine Veranstaltungsreihe im Freilichtmuseum rund um die 1950er Jahre zusammen gestellt. Zum Auftakt tauschten die beiden Kulturwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger und Inge Hafner ihre Erinnerungen an Leben und Feiern in den 1950er Jahren aus.

Aufgewachsen ist Christel Köhle-Hezinger in Mettingen, einem Esslinger Stadtteil, der sich lange noch seine dörfliche Geschlossenheit bewahrt hatte. Die ersten Kindheitserinnerungen an ein Familienfest gehen bei ihr ins Jahr 1950 zurück: die Konfirmation eines Bäsles mit Hirnsuppe und Chaudeau Soße. Später bei den Schulfesten gab es Sinalco und eine Rote Wurst. Die Einschulung, heute ein großes Event für die gesamte Familie, wurde nicht besonders gefeiert. Geschenkt wurde vor allem Praktisches – selbstgestrickte Socken oder zu besonderen Anlässen von den Paten ein Besteckteil von WMF für die Aussteuer.

In der Gaststätte ihrer Eltern, der Geislinger Wilhelmshöhe mit dem Gartensaal erlebte Inge Hafner viele Feiern und die Unterschiede in der Nachkriegsgesellschaft mit: „Bei einer schwäbischen Hochzeit gab es Hefezopf mit wenig Butter drin, während die Flüchtlinge mit Cremetorten richtig auffuhren.“ Die oft katholischen Flüchtlinge brachen gewohnte Normen auf. „Die Unterschiede zwischen evangelisch und katholisch zogen sich wie ein roter Faden durch die 1950er Jahre“, berichtet Christel Köhle-Herzinger aus ihrem Spezialgebiet. Wenn katholische Flüchtlinge ihre Fronleichnamsprozession einführten, war das eine Provokation für einen evangelischen Ort. „Und die Flüchtlingsmädchen waren dann so schön angezogen, das galt als herausgeputzt und affig.“ Gemischtkonfessionelle Heiraten waren bis weit in die 1960er Jahre ein Problem und führten zu Konflikten und manchmal sogar zu Tragödien.

Männer- und Frauenrollen waren genau definiert, die Welten strikt getrennt. Die Mangstube und die Waschküche, der Hut- oder Korsettladen waren Frauenorte. Auch in der Küche hatte ein Mann nichts zu suchen. Im Gegensatz zu heute wurde ein kochender Mann schief angesehen, berichtet Köhle-Hezinger. „Man hat genau gewusst, was man zu tun und zu lassen hatte, die Strukturen waren klar.“ Dafür, so bekräftigen beide Kulturwissenschaftlerinnen, hatten Kinder wesentlich mehr Freiheiten. Sie waren mehr sich selbst überlassen, hatten aber auch schon mehr Aufgaben, wie etwa Inge Hafner, die in der Wirtschaft kaum, dass sie über die Theke schauen konnte, bereits den Verzehr der Gäste ausrechnete. „Die Kinder wuchsen ganz anders in die Welt hinein“, so das Fazit von Christel Köhle-Hezinger.